Eine „Butterdose“ aus der Vergangenheit

Eine „Butterdose“ aus der Vergangenheit, Julia-Marlen Schiefelbein, LDA Berlin
Eine „Butterdose“ aus der Vergangenheit, Julia-Marlen Schiefelbein, LDA Berlin

Bei den Ausgrabungen auf dem Berliner Molkenmarkt konnte im Oktober 2025 ein annähernd vollständiges Steinzeuggefäß aus einer neuzeitlichen Latrine geborgen werden.

Das als Butterdose angesprochene Gefäß ist ca. 10 cm hoch und hat einen Mündungsdurchmesser von 11 cm. Etwas unterhalb der Mündung und Schulter stehen sich zwei kleine Bandhenkel gegenüber. Charakteristisch sind die drei Standfüßchen, von denen nur noch eins erhalten ist.

Verziert ist das Gefäß mit einer umlaufenden Stempelverzierung aus Rosettenmuster, eingefasst von einer Reihe hellen, fast schon weißen Quarzsteinchen oberhalb und unterhalb der Rosetten. Diese sogenannte Kieselzier bildet einen optischen Kontrast zur dunkelbraunen Sinterengobe des Gefäßes. Der Rand ist auf der Außenseite mit einer Deckelrast versehen, damit der zugehörige Deckel den wertvollen Inhalt sicher schützte.

Butterdosen dieser Art sind typisch für das sächsische Bad Muskau, einem bedeutenden Zentrum der Steinzeugtöpferei, wo sie im 17. Jahrhundert zahlreich gefertigt worden sind. Ein fast identisches Objekt befindet sich im Bestand des Stadtmuseums Berlin und verdeutlicht, dass Muskauer Steinzeug in Masse exportiert wurde, die einzelnen Stücke aber immer eine individuelle Note aufweisen.

 

Literatur: Josef Horschik, Steinzeug. Von Bürgel bis Muskau: 15. bis 19. Jahrhundert (Dresden 1978), 468.

Abbildungsnachweis: Julia-Marlen Schiefelbein, LDA

Verfasserin: Judith Schachtmann, LDA

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