Berlin – Stadt der Katzen?

Katzenskelette, Julia-Marlen Schiefelbein
Katzenskelette; Julia-Marlen Schiefelbein

Die europäische Hauskatze avanciert zurzeit als beliebtestes Haustier der Deutschen. Jeder vierte Haushalt beherbergt statistisch gesehen einen Stubentiger.

Begeben wir uns ins Berliner Mittelalter, auch hier gab es sehr viele Katzen. Belegt wird dies bei den Ausgrabungen am Berliner Molkenmarkt mit insgesamt 1460 Katzenknochenfunden, die aus mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Verfüllungen von Latrinen, Brunnen und Kellern stammen. Was lässt ich aus den Knochen herauslesen? Schnittspuren an Schädeln und Unterkiefern bezeugen zweifellos die Häutung der Tiere. Die Berliner Gesellschaft trug im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit Pelz und Accessoires aus kuscheligem Katzenfell. Die Kadaver wurden als Abfall entsorgt und sind heute als Teil – oder vollständiges Skelett erhalten und erzählen ihre Geschichte. Im Ballungsraum des mittelalterlichen Berlins wimmelte es von Lebensmittelschädlingen, wie Mäusen und Ratten. Das reichhaltige Nahrungsangebot ließ kongruent die Katzenpopulation anwachsen. Um diese kontrollieren zu können, wurden besonders Jungkatzen in Brunnen und Latrinen ertränkt. Überwiegend stammen aus diesem Kontext Individuen, die innerhalb ihres ersten Lebensjahrs zu Tode kamen. Ihre Skelette tragen keine Schnitt- und Zerlegespuren.

Archäologische Indizien, dass die ersten Berliner, wie im Mittelalter nicht unüblich, Katzenfleisch als Nahrungsmittel konsumierten fehlen am Molkenmarkt gänzlich. Erwähnenswert sei jedoch ein solitär stehender und sehr ungewöhnlicher Fund eines Hundekropolithen, der aus einer Großlatrine aus dem 15. Jahrhundert stammt. Im konservierten Hundekot konnten die Knochen eines Katzenwelpen nachgewiesen werden. Ob die Katze an den Hund bewusst verfüttert wurde bleibt spekulativ.

Abseits der Knochen, liefern auch Pfotenabdrücke auf Ziegeln Zeugnis vom untrennbaren gemeinsamen Lebensumfeld von Mensch und Katze – damals wie heute.

 

Text und Foto: LDA-Berlin, Julia-Marlen Schiefelbein

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