BERLIN PLANT AM MOLKENMARKT
EIN NEUES QUARTIER
ZUM WOHNEN UND ARBEITEN

Durch den Umbau der Grunerstraße gewinnen die Berliner:innen wieder ein Stück historische Mitte zurück. Der gewonnene Raum bietet die Möglichkeit, an die Qualitäten einer ehemals kleinteilig angelegten Stadtstruktur anzuknüpfen und ein urbanes Stadtquartier zu entwickeln.

Das mittelalterliche Grundmuster der Stadt aus öffentlichen Straßen, belebten Plätzen und ruhigen Höfen bildet die Grundlage, um besondere Orte in der Berliner Mitte neu zu bilden oder zu beleben.

Der Molkenmarkt als Ort der Stadtgründung Berlins wird wieder erlebbar. Die Fragmente und Spuren aus der Gründungszeit der Stadt werden in einen neuen stadträumlichen Rahmen eingebettet. Dieser historische Ort, der heute nur noch als überdimensionierter Verkehrsraum wahrgenommen wird, wird sich zu einem lebendigen Quartier mit einer vielfältigen Mischung aus Wohnen, Gewerbe und Kultur entwickeln. Innerstädtisches Wohnen, kleinteilige Nutzungen in den Erdgeschossen, attraktive Kultur- und Einzelhandelsangebote sowie verkehrsberuhigte Bereiche schaffen ein Quartier, in dem man sich gern aufhält.

Die Federführung für die Entwicklung des Molkenmarkts liegt bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Es sind einige weitere Partner:innen und Akteur:innen vor Ort an den Planungen beteiligt, wie die Wohnungsbaugesellschaften des Landes Berlin, der WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH und der degewo AG, sowie der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und einer privaten Eigentümerin.

Bei allen wesentlichen Planungsschritten wird die Stadtgesellschaft beteiligt.

Bauplanungsrecht

Mit dem Inkrafttreten des Bebauungsplans 1-14 im Jahr 2016 wurde ein wichtiger Meilenstein in der Planung des neuen Quartiers erreicht. Der Bebauungsplan ist Ergebnis eines umfangreichen Planungsprozesses mit zahlreichen Planungswerkstätten und unter Einbindung der Öffentlichkeit. Der Bebauungsplan bietet die planungsrechtliche Grundlage für die Rückgewinnung der Bauflächen und für die Verlegung des Straßenzuges Mühlendamm-Molkenmarkt-Grunerstraße.

Den Bebauungsplan sowie dazugehörige Begründung können Sie auf der Webseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen herunterladen.

Neugestaltung und Umsetzung des Quartiers

Durch die Neuordnung von Flächen wird wertvoller urbaner Raum gewonnen. Die Straßenführung und Verteilung der Baublöcke orientieren sich am historischen Stadtgrundriss des ehemaligen Alt-Berlins. Die Verläufe der Kloster- und Jüdenstraße sowie die Herstellung der historischen Kontur des Großen Jüdenhofs und der westlichen Verlängerung der Parochialstraße geben Orientierung. Durch Blickbeziehungen zwischen bedeutenden Gebäuden wie dem alten Stadthaus und dem Nikolaiviertel gewinnt das Quartier an Charakter. In Form einer kritischen Rekonstruktion wird eine Blockrandbebauung mit einer verbindenden Hofstruktur entwickelt, die den gestalterischen Anforderungen einer modernen Architektur entsprechen wird.

Mitte Dezember 2023 wurden die nördlichen Fahrbahnen und Nebenanlagen des Mühlendamms, der Spandauer und Gruner Straße fertiggestellt und in Richtung Potsdamer Platz zwischen dem Straßentunnel Alexanderplatz und der Mühlendammbrücke planmäßig für den Verkehr freigegeben. Die mit dem Bebauungsplan 1-14 festgesetzte Straße „Molkenmarkt“ ist seit dem 5. März 2024 in Richtung Pankow vollständig befahrbar. Die Umverlegung des Hauptstraßenzuges ist damit abgeschlossen. Die Komplettierung der Lichtsignalanlagen und Restarbeiten werden voraussichtlich im 3. Quartal 2024 abgeschlossen sein.

Städtebauliches Qualifizierungsverfahren

Die rechtliche Grundlage für die Planungen am Molkenmarkt bildet der 2016 festgesetzte Bebauungsplan. Zur Weiterentwicklung der Planung wurde von 2020 bis 2022 ein städtebauliches Qualifizierungsverfahren durchgeführt.

Im Rahmen einer Sondierungsphase (Mitte 2020 bis Anfang 2021) wurden gemeinsam mit der Stadtbevölkerung qualitative und quantitative Anforderungen zur Entwicklung des Quartiers erarbeitet, die in Form von acht Leitlinien festgeschrieben wurden.

In der darauffolgenden Planungsphase (Frühjahr 2021 bis Mitte 2022) bildeten die Leitlinien die Grundlage für die Auslobung des offenen städtebaulichen freiraumplanerischen Wettbewerbs. Daraus wurden zwei Entwürfe prämiert, die in dem sich anschließenden Werkstattverfahren vertieft und mit den Anmerkungen des Preisgerichts sowie der Stadtgesellschaft weiterentwickelt wurden. Während der städtebaulichen Qualifizierungsphase wurden intensive Workshops, Gespräche und Fachlabore zu vielen relevanten Themen geführt. Zum Abschluss des Werkstattverfahrens hat die Jury schließlich Empfehlungen formuliert, welche die Grundlage für die Charta Molkenmarkt bilden und die Ergebnisse aus der städtebaulichen Qualifizierung zusammenfassen.

Die Sondierungsphase lief von Mitte 2020 bis Anfang 2021. Das bereits gesammelte Wissen und die Anregungen der Berliner:innen wurde hierbei weiterentwickelt und vertieft. Im nächsten Schritt wurde dieser Wissenspool vier zentralen Themenfeldern – #1 Atmosphärisches Quartier, #2 Vielfältiges Quartier, #3 Öffentliches Quartier und #4 Zukunftsfähiges Quartier – zugeordnet.

Auf Basis dieser Schwerpunkte wurden im Rahmen von Fachlaboren gemeinsam mit Fachexpert:innen Anforderungen, Bedarfe und Fragen diskutiert und themenspezifisch weiterentwickelt. Die Essenzen dieses Austauschs mündeten in acht Leitlinien für die Quartiersentwicklung am Molkenmarkt. Diese bildeten die Grundlage für die nachfolgende Planungsphase, die in einer Broschüre festgehalten wurden.

Abgeschlossen wurde die Sondierungsphase mit den nachfolgend aufgeführten acht Leitlinien. Diese wurden auf Basis des gesammelten Wissens der Stadtgesellschaft und in Zusammenarbeit mit den Partner:innen in der ersten Phase der städtebaulichen Qualifizierung erarbeitet und bilden die Grundlage und den Rahmen für den weiteren partizipativen Planungsprozess.

#1.1 EIN ORT DER LEBENDIGEN GESCHICHTE

Am Molkenmarkt entstehen aus der Historie neue Geschichten, die das Alte für das Neue aufgreifen und transformieren.

#1.2 EIN QUARTIER MIT HOHER RAUMQUALITÄT

Am Molkenmarkt wächst die Stadt aus den Impulsen der Umgebung und den Qualitätsansprüchen der Akteur*innen in einem lebendigen Prozess wieder zusammen.

#2.1 DIE NEUE BERLINER MISCHUNG

Am Molkenmarkt entsteht eine zukunftsweisende innenstadttypische Nutzungsmischung in einer resilienten nutzungsoffenen Architektur.

#2.2 VIELFÄLTIG UND BEZAHLBAR WOHNEN

Am Molkenmarkt entstehen innovative Wohntypologien im bezahlbaren Wohnsegment, die eine soziale Durchmischung fördern.

#3.1 DIE STADT AUF AUGENHÖHE

Die Erdgeschosszone und der Freiraum sind die Bereiche, in denen sich innen und außen am Molkenmarkt verbinden und der Kontakt zur gesamten Stadt entsteht.

#3.2 DAS KULTURQUARTIER

Sowohl in der Entwicklungsphase als auch im zukünftigen Quartier sind vielfältige Kulturnutzungen Identitätsträger des Molkenmarktes.

#4.1 DAS GRÜNE INNENSTADTVIERTEL

Am Molkenmarkt kommen Klimaanpassungsmaßnahmen im Großen und im Kleinen zum Einsatz, um im Zentrum der Stadt Biodiversität zu fördern sowie ökologisch und sozial nachhaltig zu bauen und zu wirtschaften.

#4.2 VORRANG FÜR EINE VIELFÄLTIGE MOBILITÄT

Im Quartier am Molkenmarkt dominieren Räume für Fußgänger:innen und gute Infrastrukturen für Radfahrer:innen bei stark reduziertem motorisiertem Individualverkehr.

Die Auslobung ist die Aufgabenstellung, die alle Anforderungen und Belange, die an den Ort aus dem gültigen Bebauungsplan und den gemeinsam entwickelten acht Leitlinien gestellt werden, zusammenfasst. Interdisziplinäre Planungsteams haben 2021 auf deren Basis Konzepte (städtebauliche Entwürfe) für ein innovatives und vielfältiges Innenstadtquartier erarbeitet.
Prämiert wurden die besten Entwürfe von einem Preisgericht, welches sich aus Fachexpert:innen verschiedener Disziplinen und einer Bürger:innenvertretung zusammengesetzt hat. An den Wettbewerb schloss sich das Werkstattverfahren an. Im Wettbewerbsverfahren zur Neugestaltung des Molkenmarktes wurden zehn Arbeiten eingereicht und durch das Preisgericht beurteilt.

Nach Abschluss des städtebaulichen freiraumplanerischen Wettbewerbes im November 2021 hat das Werkstattverfahren mit dem Auftaktkolloquium im Januar 2022 begonnen. Hierbei galt es, die im offenen städtebaulichen Ideenteil ausgewählten Entwürfe weiter zu qualifizieren. Diese Qualifizierung erfolgte in intensivem Austausch mit der Stadtgesellschaft im Rahmen von öffentlichen Werkstätten. An den Werkstätten nahmen sowohl das Preisgericht, die Projektpartner:innen am Molkenmarkt als auch interessierte Bürger:innen teil.

In einer digitalen Bürger:innenwerkstatt Anfang Februar 2022 wurden Anregungen zur Weiterbearbeitung der prämierten Entwürfe gegeben. Die daraufhin überarbeiteten Entwürfe wurden in einem Zwischenkolloquium im April 2022 erneut vorgestellt und in einer Fachjury erörtert. In einer zweiten Werkstatt konnten sich die Bürger:innen erneut zu den Entwürfen äußern und Anregungen einbringen. Die zweite Überarbeitungsabgabe erfolgte im Mai 2022 und mündete in einer Abschlusspräsentation im September 2022 der beiden Teams OS arkitekter mit cka czyborra klingbeil architekturwerkstatt mdB und Bernd Albers Gesellschaft von Architekten mbH mit Prof. Silvia Malcovati und Vogt Landschaftsarchitekten AG.

Am Ende des Werkstattverfahrens wurden die Qualitäten der beiden Entwürfe verdichtet und als Empfehlungen für die weitere Quartiersentwicklung durch die Jury formuliert. Diese bilden die Grundlage für die Charta Molkenmarkt.

Wie geht es mit der Planung am Molkenmarkt weiter?

Die Juryempfehlungen des Wettbewerbs- und Werkstattverfahrens bilden die Grundlage für die Erarbeitung der Charta Molkenmarkt zur weiteren Entwicklung des Quartiers. Der Rahmenplan ist einer von zwei Teilen, aus denen sich die “Charta Molkenmarkt” zusammensetzt. Dieser wurde am 22. August 2023 durch den Senat von Berlin beschlossen. Zweiter Bestandteil der Charta Molkenmarkt ist das „Gestaltungshandbuch“.

Der Rahmenplan zur Charta Molkenmarkt wurde am 22. August 2023 durch den Berliner Senat beschlossen. Der Rahmenplan legt auf der Grundlage der Juryempfehlungen des Werkstattverfahrens, der Leitlinien zur Quartiersentwicklung sowie der Festsetzungen des Bebauungsplans die übergeordneten konzeptionellen Entwicklungsziele für das Gesamtprojektgebiet fest, die die unterschiedlichen projektrelevanten Themenbereiche programmatisch darstellen und zusammenfassen.

Das Gestaltungshandbuch konkretisiert auf der Grundlage vorliegender Planungsergebnisse umsetzungsorientierte Anforderungen auf Block- und Gebäudeebene. Damit sollen gestalterische Vorgaben für die sich anschließenden Wettbewerbsverfahren für den Hochbau und die Freiräume in den einzelnen Blöcken formuliert werden. Auch die Ergebnisse mehrerer Machbarkeitsstudien, die die Jury des vorangegangenen Werkstattverfahrens empfohlen hatte, fließen in das Gestaltungshandbuch ein. Sie betreffen die Bereiche Mobilität, Regenwassermanagement und Freiraum, Archäologie und Energieversorgung.

Aus dem Werkstattverfahren 2022 ging aus der Jurysitzung die Empfehlung hervor, die Umsetzungsfähigkeit der formulierten Empfehlungen der Abschlusspräsentation vertieft zu überprüfen und Machbarkeitsstudien mit verschiedenen Themenschwerpunkten zu bearbeiten.

Die Machbarkeitsstudie Archäologie wurde im I. Quartal 2024 abgeschlossen und am 20.03.2024 veröffentlicht. Der Abschlussbericht zeigt gestalterische, bauliche und betriebliche Integrationsmöglichkeiten anhand von ausgewählten archäologischen und historischen Befunde auf.

Die integrierte Machbarkeitsstudie zu den Themen Mobilität, Regenwassermanagement und Freiraum wurde im III. Quartal 2023 beauftragt und wird derzeit bis zum II. Quartal 2024 bearbeitet.

Die Machbarkeitsstudie Energie wird ebenfalls bis zum II. Quartal 2024 bearbeitet.

Die Erarbeitung aller Machbarkeitsstudien erfolgt in enger Abstimmung zwischen dem Land Berlin, der WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH, der degewo AG, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben sowie einer privaten Eigentümerin.

Beteiligung / Partizipation

In der Sondierungsphase konnten die Bürger:innen an Pop Ups vor Ort zu den Themen „Quartier neu machen, Molkenmarkt gestalten“ und „Mitmachen – Molkenmarkt gestalten“ sowie „Berliner Mitte gemeinsam gestalten“ beteiligen, ebenso wurden in dieser Phase Bauzaungespräche geführt. In der ersten Stufe des offenen städtebaulichen Wettbewerbs wurden weitere Bauzaungespräche geführt und die Bürger:innen konnten an Informationsabenden teilnehmen und Ideen und Anregungen einbringen. Im daran anschließenden Werkstattverfahren wurde dies fortgesetzt.

Im Laufe des Planungsprozesses am Molkenmarkt wurde die Stadtgesellschaft in der Vergangenheit immer wieder über die Entwicklungen informiert und im Rahmen verschiedener Formate beteiligt.

Aktuell sind keine Beteiligungen geplant.

Weitere Informationen und Downloads zum Molkenmarkt finden Sie auf der >> Webseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

NEUIGKEITEN ZUR PLANUNG

Senat beschließt Rahmenplan zur Charta Molkenmarkt

Der Senat von Berlin hat in seiner heutigen Sitzung auf Vorlage des Senators für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen Christian Gaebler den Rahmenplan zur Charta Molkenmarkt beschlossen. Damit werden die langfristigen städtebaulichen Ziele für das Quartier gesichert.

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Finale Entwürfe des Werkstattverfahrens

Zum Abschluss des Werkstattverfahrens am 12. und 13.09.2022 wurden interessierten Bürger:Innen und der Jury die finalen Entwürfe des Werkstattverfahrens zum Molkenmarkt vorgestellt. Die Planungsteams OS arkitekter mit cka cyborra klingbeil architekturwerkstatt mbB sowie Bernd Albers Gesellschaft von Architekten mbH mit Prof. Silvia Malcovati und Vogt Landschaftsarchitekten AG präsentierten das Ergebnis ihres Arbeitsprozesses im Werkstattverfahren.

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ÖFFENTLICHE WERKSTÄTTEN ZUM GEMEINSAMEN ARBEITEN AN ENTWÜRFEN

Der städtebauliche und freiraumplanerische Wettbewerb zum Molkenmarkt ist entschieden. Im November 2021 hat das Preisgericht getagt und alle eingereichten Entwürfe intensiv diskutiert. Das Preisgericht hat zwei Entwurfsteams mit dem ersten Preis prämiert. Beide Entwürfe wurden zur weiteren Bearbeitung im Rahmen von öffentlichen Werkstätten vorgestellt und diskutiert. Es handelt sich um die Teams Bernd Albers Gesellschaft von Architekten mbH mit Prof. Dr. Silvia Malcovati und Vogt Landschaftsarchitekten AG sowie OS arkitekter / cka czyborra klingbeil architekturwerkstatt mbB.

Im Wettbewerb sollten innovative und zukunftsfähige Entwürfe für ein nachhaltiges, attraktives und kleinteiliges Innenstadtquartier am Molkenmarkt eingereicht werden. An den Entwürfen wurde in zwei öffentlichen Werkstätten im Februar und April 2022 weitergearbeitet. Hier trafen die prämierten Teams auf die Fragen und Ideen der Stadtgesellschaft. Im Abschlusskolloquium hat die Jury Empfehlungen formuliert, die in die Charta Molkenmarkt fließen und die Grundlage für die folgenden Hochbau- und Freiraumwettbewerbe bilden.

Bernd Albers Gesellschaft von Architekten mbH
mit Prof. Dr. Silvia Malcovati und Vogt Landschaftsarchitekten AG
OS arkitekter
mit cka czyborra klingbeil architekturwerkstatt mbB

FÜNF PHASEN DER VERÄNDERUNG

Die Grunerstraße mit unzähligen Fahrspuren, großflächigen Kreuzungen und angrenzenden Parkplätzen zerschneidet die historische Mitte Berlins. Der breite Straßenzug wirkt wie ein harter Einschnitt im Berliner Zentrum: Das Rote Rathaus, das Nikolaiviertel und die Rathaus-Passagen werden durch die überdimensionierten Verkehrsflächen vom Bereich an der Klosterstraße getrennt. Am Molkenmarkt - einem der ältesten Teile Berlins - ist das historische Gefüge der Straßenräume, Gebäude und Monumente fast völlig ausgelöscht. Es ist heute vor allem ein Transitraum, der keine Qualität zum Verweilen bietet.

Durch den Umbau der Grunerstraße gewinnen die Berlinerinnen und Berliner wieder ein Stück historische Mitte zurück. Die Straße wird verlegt und der Straßenraum wird neu aufgeteilt, sodass weitere Mobilitätsformen – wie Straßenbahn und Fahrrad – untergebracht werden können. Die Grunerstraße wird künftig direkt am Roten Rathaus und an den Rathauspassagen geführt. Der Mühlendamm und die Spandauer Straße werden künftig über den Molkenmarkt wieder direkt miteinander verbunden. Es entstehen zwei neue Kreuzungsbereiche. Der gewonnene Raum bietet die Möglichkeit, an die Qualitäten einer ehemals kleinteilig angelegten Stadtstruktur anzuknüpfen und ein neues urbanes Stadtquartier zu entwickeln.

Es finden großflächige, archäologische Grabungen statt. Die Schichten der Berliner Stadtgeschichte werden erforscht und dokumentiert. Wichtige archäologische Funde werden gesichert. Auf dem historischen Jüdenhof in der Klosterstraße wird eine temporäre Zwischennutzung initiiert. Dort wird über das neue Quartier in einer Ausstellung informiert und die Berliner Archäologie hat ihre Arbeitsräume. Durch die Verlegung der Grunerstraße an das Rote Rathaus müssen die Klosterstraße und die Jüdenstraße verlängert und erneuert werden. Es erfolgt eine Gestaltung als verkehrsberuhigte Quartiersstraßen.

Entlang der neugeordneten Hauptstraßen wird eine vier- bis sechsgeschossige, gemischtgenutzte Randbebauung errichtet. Es ist Gewerbe, Kultur und Wohnen vorgesehen. Die geschlossene Randbebauung bietet eine schallschützende Wirkung an den stark befahrenen Straßenzügen, um im Inneren der Baublöcke Wohnen zu ermöglichen. Die Gestaltung der Gebäude steht noch nicht fest. Sie wird in einem partizipativen Verfahren unter Einbeziehung von Planungsbüros und der Stadtgesellschaft erarbeitet.

4. Realisierung der Wohnbebauung

Im ruhigen, inneren Bereich der Baublöcke werden Wohnbebauungen errichtet. Die Gestaltung der Gebäude steht noch nicht fest. Sie wird in einem partizipativen Verfahren unter Einbeziehung von Planungsbüros und der Stadtgesellschaft erarbeitet. Die Parochialgasse als öffentliche Durchwegung und der Jüdenhof als kleiner Stadtplatz werden angelegt.

An drei Orten entstehen öffentliche Grünräume. Es entstehen zum Teil begrünte Höfe, die eine hohe Qualität zum Verweilen haben. Auf dem alten Kirchhof entsteht eine öffentliche Grünfläche als Verbindung von Klosterkirche und Jüdenhof. Rund um die Ruine der Klosterkirche entsteht eine öffentliche Parkanlage. Darüber hinaus sind Dachbegrünungen und Baumpflanzungen für ein ausgeglichenes Lokalklima vorgesehen.

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MOLKENMARKT VON 1910 - 2029

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CHRONOLOGIE

DER BISHERIGEN PLANUNG

I. Quartal 2024
Fertigstellung „Archäologische Machbarkeitsstudie“
Die „Archäologische Machbarkeitsstudie Molkenmarkt“ untersucht die Integration von acht bisher ergrabenen archäologischen Befunden aus verschiedenen Jahrhunderten innerhalb der neu entstehenden Bebauung sowie in den Freiräumen und gibt Empfehlungen zu deren Umsetzung als archäologische Fenster.
I. Quartal 2024
III. Quartal 2023
Senatsbeschluss „Rahmenplan zur Charta Molkenmarkt“
Der Senat von Berlin hat am 22. August 2023 den „Rahmenplan zur Charta Molkenmarkt“ beschlossen. Der Rahmenplan fasst die Anforderungen zur Quartiersentwicklung, die Festsetzungen des Bebauungsplans 1-14 (2016), die Leitlinien zur Quartiersentwicklung (2020/21) und die Empfehlungen aus dem Werkstattverfahren (2022) - thematisch-konzeptionell zusammen. Die Charta Molkenmarkt besteht aus dem „Rahmenplan Molkenmarkt“ und einem darauf aufbauenden Gestaltungshandbuch, welches im Anschluss an den Senatsbeschluss erarbeitet wird. Basierend auf Rahmenplan und Gestaltungshandbuch werden dann die Grundlagen und Kriterien für die anschließenden Hochbauwettbewerbe für einzelne Gebäude sowie die Freiraumwettbewerbe gelegt.
III. Quartal 2023
2022
Planungsphase: Werkstattverfahren
Die Planungsphase mit dem Werkstattverfahren ist der zweite Schritt der städtebaulichen Qualifizierung und dient der weiteren Entwicklung der im städtebaulichen Wettbewerb ausgewählten Entwürfe. In zwei Überarbeitungsphasen erfolgte der intensive Austausch mit der Stadtgesellschaft und weiteren Projektbeteiligten am Molkenmarkt. Am Ende des Werkstattverfahrens wurden die Empfehlungen der Jury mit den Qualitäten der beiden Entwürfe formuliert.
2022
2021
Planungsphase: Wettbewerbsverfahren
In dieser Phase sollten Planungsteams städtebauliche Entwürfe für das gesamte Quartier am Molkenmarkt entwickeln, die durch ein Preisgericht beurteilt wurden. Die beiden prämierten Entwürfe wurden im Anschluss im Werkstattverfahren weiter qualifiziert.
2021
2021
Leitlinien
Am Ende der Sondierungsphase stehen die gemeinsam formulierten Leitlinien. Diese fassen wesentliche Entwicklungsziele für das neue Quartier zusammen. Die acht Leitlinien dienen als die Grundlage für die Planungsphase mit Wettbewerb und Werkstätten.
2021
2020
Sondierungsphase
Im ersten Schritt der städtebaulichen Qualifizierung, der Sondierungsphase, wurden das bereits gesammelte Wissen und die Anregungen der Berliner:innen aus den Bauzaungesprächen sowie den Pop-Up-Veranstaltungen in 2019-2020 weiterentwickelt und vertieft. Gemeinsam mit Fachexpert:innen wurden im Rahmen von Fachlaboren Anforderungen, Bedarfe und Fragen diskutiert und themenspezifisch weiterentwickelt. Die Essenzen dieses Austauschs mündeten in acht Leitlinien für die Quartiersentwicklung am Molkenmarkt.
2020
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2016
Festsetzung des Bebauungsplans
Der Bebauungsplan wird im Jahr 2016 im Berliner Abgeordnetenhaus beschlossen und im Gesetz- und Verordnungsblatt veröffentlicht. Der Plan ist die planungsrechtliche Voraussetzung für die Verlegung der Grunerstraße und die Realisierung des neuen Quartiers. Er ist das Ergebnis eines langjährigen und intensiven Planungsprozesses.
2016
Ausschnitt Planwerk Innere Stadt
2010
Planwerk Innere Stadt
Das Planwerk Innere Stadt ist eine räumliche und methodische Weiterentwicklung des Planwerks Innenstadt aus dem Jahr 1999. Das fortgeschriebene Planwerk wird im Jahr 2010 im Berliner Senat beschlossen. Der fortgeschriebene Rahmen für den Molkenmarkt wird in das Planwerk Innere Stadt übernommen.
2010
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2009
Fertigstellung des Masterplans
Die vorangegangenen Qualifizierungen von einzelnen Bereichen im Quartier werden im fortgeschriebenen Masterplan zusammengefasst. Die neuen Ideen für das Anti-Kriegs-Museum, den Jüdenhof und den Bereich vor dem Alten Stadthaus sind im Plan eingezeichnet. Der überarbeitete Masterplan bildet die Grundlage für den später festgesetzten Bebauungsplan.
2009
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2009
Bereich vor dem Alten Stadthaus
Über den Bereich vor dem Alten Stadthaus wird intensiv diskutiert. Es wird erneut eine städtebauliche Überarbeitung vorgenommen. Das Planungsbüro Haberland Architekten wird damit beauftragt. Der ausgewählte Entwurf sieht einen begrünten Platz mit hoher Aufenthaltsqualität im Blockinneren vor. Durch die Öffnung des Blocks entstehen Sichtbeziehungen zum Turm des Alten Stadthauses sowie zur Nikolaikirche.
2009
Anti-Kriegsmuseum in der Parochialstraße, 1930
2008
Rückkehr für das Anti-Kriegs-Museum
Im Jahr 1923 gründete der Pazifist Ernst Friedrich ein Museum in der Parochialstraße 29. Es wurde später durch die Nationalsozialisten geplündert und geschlossen. Die Rückkehr an den historischen Standort am Jüdenhof wird durch drei Planungsbüros im Jahr 2008 intensiv untersucht und die Überlegungen hierzu in den Bebauungsplan übernommen. Es wird überprüft, wie der Baukörper für das Museum am Jüdenhof baulich integriert werden kann. Die Entwürfe der Architekten Georg Augustin und Ute Frank sowie von Haberland Architekten bilden eine gute Grundlage für eine zukünftige Realisierung. Die Festsetzungen des Bebauungsplans lassen die Realisierung beider Entwürfe zu.

Foto: Anti-Kriegsmuseum in der Parochialstraße (1930); Copyright: Bundesarchiv, B 145 Bild-P063078 / Fotograf(in): Köhler
2008
2008
Weiterentwickelung des Masterplans
Der Masterplan aus dem Jahr 2005 wird in einer Werkstatt weiterentwickelt. Planerinnen und Planer aus drei Büros entwerfen Ideen und Konzepte für Teilbereiche, die bislang noch keine städtebauliche Lösung aufweisen. Das sind die Parochialgasse, der Jüdenhof und der Platz vor dem Alten Stadthaus. Es geht unter anderem um die Verteilung der Nutzungen, die Freiräume sowie die Höhen und Ausrichtung der Gebäude.
2008
Masterplan-2005_kleiner
2005
Masterplan für den Molkenmarkt
Im Anschluss an die Werkstätten wird ein gemeinsamer Masterplan erarbeitet, der die städtebauliche Grundlage für den Bebauungsplan bilden soll. Der Entwurf der Architekten Helmut Riemann und Ulla Luther wird vertieft, weil er die Aufgabenstellung in den Werkstätten am besten umsetzt. Das Konzept zeichnet sich durch die Interpretation historischer Qualitäten für das neue Quartier aus. Eine Rekonstruktion der mittelalterlichen und gründerzeitlichen Altstadt ist nicht vorgesehen. Stattdessen steht die Neuentdeckung und Neuinterpretation des historischen Stadtraums im Mittelpunkt.
2005
2004
Werkstätten mit Planungsbüros
Sechs Planungsbüros erarbeiten städtebauliche Konzepte für das neue Quartier. Die historischen Spuren und unterschiedlichen Schichten im Stadtgrundriss sollen berücksichtigt werden. Zudem sollen die vorhandenen Gebäude einbezogen und eine wirtschaftliche Umsetzung der Bebauung der neuen Blöcke geplant werden. Die Ergebnisse der Werkstätten dienen der weiteren Qualifizierung der Planungen.
2004
2003
Start des Verfahrens für den Bebauungsplan
Das Berliner Abgeordnetenhaus beschließt den Start des Bebauungsplanverfahrens für den Molkenmarkt. Die Aufstellung des Bebauungsplans ist notwendig, um Planungsrecht für eine Bebauung zu schaffen. Aufgrund der stadtpolitischen Bedeutung des Gebiets ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für die Bearbeitung des Bebauungsplans zuständig.
2003
Jüdenhof, spielende Kinder, 1930
2002
Gutachten zur Geschichte und Bebauung des Jüdenhofs
Berliner Jüdinnen und Juden errichteten im Mittelalter einen kleinen Wohnhof mit Fachwerkhäusern. Später lebten dort Handwerkerinnen und Handwerker bis der Jüdenhof im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der Stadthistoriker Dieter Hoffmann-Axthelm und der Architekt Marc Jordi dokumentieren diese Geschichte in einem Gutachten. Sie regen eine neue Bebauung des Jüdenhofs nach historischem Vorbild an.

Foto: Jüdenhof, Kinder beim Spielen (1930); Copyright: Bundesarchiv, B 145 Bild-P063067 / Fotograf(in): o.Ang.
2002
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1999
Planwerk Innenstadt
Die umfangreiche Arbeit aus dem Beteiligungs- und Planungsprozess fließt in das Planwerk Innenstadt ein. In der beschlossenen Fassung im Jahr 1999 sind ein Block zwischen Jüden- und Klosterstraße sowie ein Standort für das Gymnasium zum Grauen Kloster zwischen Kloster- und Littenstraße vorgesehen. Allerdings wird für den Bereich am Molkenmarkt keine planungspolitische Einigung gefunden. Die Grunerstraße verläuft in dieser Fassung schräg vom Roten Rathaus zum Mühlendamm.
1999
Flugisometrie Ergebnis Werkstatt 1998
1997
Planungswerkstätten zur Struktur der Bebauung
Die Bebauung der neuen Blöcke wird in drei Werkstätten und öffentlichen Stadtforen intensiv diskutiert. Im Rahmen der Veranstaltungen werden unterschiedliche gestalterische Varianten für die inneren Bereiche der Blöcke, den Jüdenhof und die Klosterruine entwickelt.
1997
Blick auf Grunerstraße, 2008
1992
Gutachten zur Verlegung der Straße und Neuordnung des Molkenmarkts
Nach der Wiedervereinigung gibt es neue Ideen für den Bereich zwischen Rotem Rathaus und Altem Stadthaus. Für die Rückgewinnung dieses Teils der Berliner Mitte muss die Grunerstraße verlegt werden. Ein Gutachten von Kny und Weber Architekten, dem Stadthistoriker Wolfgang Schäche und dem Stadtplaner Ludwig Krause präsentiert das Potenzial von bis zu vier neuen Blöcken.
1992

MOLKENMARKT VON 1910 - 2029

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