BERLIN PLANT AM MOLKENMARKT
EIN NEUES QUARTIER
ZUM WOHNEN UND ARBEITEN

Durch den Umbau der Grunerstraße gewinnen die Berlinerinnen und Berliner wieder ein Stück historische Mitte zurück. Der gewonnene Raum bietet die Möglichkeit, an die Qualitäten einer ehemals kleinteilig angelegten Stadtstruktur anzuknüpfen und ein urbanes Stadtquartier zu entwickeln.

Das mittelalterliche Grundmuster der Stadt aus öffentlichen Straßen, belebten Plätzen und ruhigen Höfen bildet die Grundlage, um besondere Orte in der Berliner Mitte neu zu bilden oder zu beleben. Der Molkenmarkt als Ort der Stadtgründung Berlins wird wieder erlebbar. Die Fragmente und Spuren aus der Gründungszeit der Stadt werden in einen neuen stadträumlichen Rahmen eingebettet. Dieser historische Ort, der heute nur noch als überdimensionierter Verkehrsraum wahrgenommen wird, wird sich zu einem lebendigen Quartier mit einer vielfältigen Mischung aus Wohnen, Gewerbe und Kultur entwickeln. Innerstädtisches Wohnen, kleinteilige Nutzungen in den Erdgeschossen, attraktive Kultur- und Einzelhandelsangebote sowie verkehrsberuhigte Bereiche schaffen ein Quartier, in dem man sich gern aufhält.

Weitere Informationen zum Molkenmarkt finden Sie auf der >> Webseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

FÜNF PHASEN DER VERÄNDERUNG

Die Grunerstraße mit unzähligen Fahrspuren, großflächigen Kreuzungen und angrenzenden Parkplätzen zerschneidet die historische Mitte Berlins. Der breite Straßenzug wirkt wie ein harter Einschnitt im Berliner Zentrum: Das Rote Rathaus, das Nikolaiviertel und die Rathaus-Passagen werden durch die überdimensionierten Verkehrsflächen vom Bereich an der Klosterstraße getrennt. Am Molkenmarkt - einem der ältesten Teile Berlins - ist das historische Gefüge der Straßenräume, Gebäude und Monumente fast völlig ausgelöscht. Es ist heute vor allem ein Transitraum, der keine Qualität zum Verweilen bietet. Für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie für Radfahrerinnen und Radfahrer ist es ein überaus unwirtlicher und unattraktiver Stadtraum.

Durch den Umbau der Grunerstraße gewinnen die Berlinerinnen und Berliner wieder ein Stück historische Mitte zurück. Die Straße wird verlegt und der Straßenraum wird neu aufgeteilt, sodass weitere Mobilitätsformen – wie Straßenbahn und Fahrrad – untergebracht werden können. Die Grunerstraße wird künftig direkt am Roten Rathaus und an den Rathauspassagen geführt. Der Mühlendamm und die Spandauer Straße werden künftig über den Molkenmarkt wieder direkt miteinander verbunden. Es entstehen zwei neue Kreuzungsbereiche. Der gewonnene Raum bietet die Möglichkeit, an die Qualitäten einer ehemals kleinteilig angelegten Stadtstruktur anzuknüpfen und ein neues urbanes Stadtquartier zu entwickeln.

Es finden großflächige, archäologische Grabungen statt. Die Schichten der Berliner Stadtgeschichte werden erforscht und dokumentiert. Wichtige archäologische Funde werden gesichert. Auf dem historischen Jüdenhof in der Klosterstraße wird eine temporäre Zwischennutzung initiiert. Dort wird über das neue Quartier in einer Ausstellung informiert und die Berliner Archäologie hat ihre Arbeitsräume. Durch die Verlegung der Grunerstraße an das Rote Rathaus müssen die Klosterstraße und die Jüdenstraße verlängert und erneuert werden. Es erfolgt eine Gestaltung als verkehrsberuhigte Quartiersstraßen.

Entlang der neugeordneten Hauptstraßen wird eine vier- bis sechsgeschossige, gemischtgenutzte Randbebauung errichtet. Es ist Gewerbe, Kultur und Wohnen vorgesehen. Die geschlossene Randbebauung bietet eine schallschützende Wirkung an den stark befahrenen Straßenzügen, um im Inneren der Baublöcke Wohnen zu ermöglichen. Die Gestaltung der Gebäude steht noch nicht fest. Sie wird in einem partizipativen Verfahren unter Einbeziehung von Planungsbüros und der Stadtgesellschaft erarbeitet.

4. Realisierung der Wohnbebauung

Im ruhigen, inneren Bereich der Baublöcke werden Wohnbebauungen errichtet. Die Gestaltung der Gebäude steht noch nicht fest. Sie wird in einem partizipativen Verfahren unter Einbeziehung von Planungsbüros und der Stadtgesellschaft erarbeitet. Die Parochialgasse als öffentliche Durchwegung und der Jüdenhof als kleiner Stadtplatz werden angelegt.

An drei Orten entstehen öffentliche Grünräume. Es entstehen zum Teil begrünte Höfe, die eine hohe Qualität zum Verweilen haben. Auf dem alten Kirchhof entsteht eine öffentliche Grünfläche als Verbindung von Klosterkirche und Jüdenhof. Rund um die Ruine der Klosterkirche entsteht eine öffentliche Parkanlage. Darüber hinaus sind Dachbegrünungen und Baumpflanzungen für ein ausgeglichenes Lokalklima vorgesehen.

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BEBAUUNGSPLAN 1-14

"MOLKENMARKT UND KLOSTERVIERTEL"

CHRONOLOGIE

DER BISHERIGEN PLANUNG

Blick auf Grunerstraße, 2008
1992
Gutachten zur Verlegung der Straße und Neuordnung des Molkenmarkts
Nach der Wiedervereinigung gibt es neue Ideen für den Bereich zwischen Rotem Rathaus und Altem Stadthaus. Für die Rückgewinnung dieses Teils der Berliner Mitte muss die Grunerstraße verlegt werden. Ein Gutachten von Kny und Weber Architekten, dem Stadthistoriker Wolfgang Schäche und dem Stadtplaner Ludwig Krause präsentiert das Potenzial von bis zu vier neuen Blöcken.
1992
Flugisometrie Ergebnis Werkstatt 1998
1997
Planungswerkstätten zur Struktur der Bebauung
Die Bebauung der neuen Blöcke wird in drei Werkstätten und öffentlichen Stadtforen intensiv diskutiert. Im Rahmen der Veranstaltungen werden unterschiedliche gestalterische Varianten für die inneren Bereiche der Blöcke, den Jüdenhof und die Klosterruine entwickelt.
1997
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1999
Planwerk Innenstadt
Die umfangreiche Arbeit aus dem Beteiligungs- und Planungsprozess fließt in das Planwerk Innenstadt ein. In der beschlossenen Fassung im Jahr 1999 sind ein Block zwischen Jüden- und Klosterstraße sowie ein Standort für das Gymnasium zum Grauen Kloster zwischen Kloster- und Littenstraße vorgesehen. Allerdings wird für den Bereich am Molkenmarkt keine planungspolitische Einigung gefunden. Die Grunerstraße verläuft in dieser Fassung schräg vom Roten Rathaus zum Mühlendamm.
1999
Jüdenhof, spielende Kinder, 1930
2002
Gutachten zur Geschichte und Bebauung des Jüdenhofs
Berliner Jüdinnen und Juden errichteten im Mittelalter einen kleinen Wohnhof mit Fachwerkhäusern. Später lebten dort Handwerkerinnen und Handwerker bis der Jüdenhof im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der Stadthistoriker Dieter Hoffmann-Axthelm und der Architekt Marc Jordi dokumentieren diese Geschichte in einem Gutachten. Sie regen eine neue Bebauung des Jüdenhofs nach historischem Vorbild an.

Foto: Jüdenhof, Kinder beim Spielen (1930); Copyright: Bundesarchiv, B 145 Bild-P063067 / Fotograf(in): o.Ang.
2002
2003
Start des Verfahrens für den Bebauungsplan
Das Berliner Abgeordnetenhaus beschließt den Start des Bebauungsplanverfahrens für den Molkenmarkt. Die Aufstellung des Bebauungsplans ist notwendig, um Planungsrecht für eine Bebauung zu schaffen. Aufgrund der stadtpolitischen Bedeutung des Gebiets ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für die Bearbeitung des Bebauungsplans zuständig.
2003
2004
Werkstätten mit Planungsbüros
Sechs Planungsbüros erarbeiten städtebauliche Konzepte für das neue Quartier. Die historischen Spuren und unterschiedlichen Schichten im Stadtgrundriss sollen berücksichtigt werden. Zudem sollen die vorhandenen Gebäude einbezogen und eine wirtschaftliche Umsetzung der Bebauung der neuen Blöcke geplant werden. Die Ergebnisse der Werkstätten dienen der weiteren Qualifizierung der Planungen.
2004
Masterplan-2005_kleiner
2005
Masterplan für den Molkenmarkt
Im Anschluss an die Werkstätten wird ein gemeinsamer Masterplan erarbeitet, der die städtebauliche Grundlage für den Bebauungsplan bilden soll. Der Entwurf der Architekten Helmut Riemann und Ulla Luther wird vertieft, weil er die Aufgabenstellung in den Werkstätten am besten umsetzt. Das Konzept zeichnet sich durch die Interpretation historischer Qualitäten für das neue Quartier aus. Eine Rekonstruktion der mittelalterlichen und gründerzeitlichen Altstadt ist nicht vorgesehen. Stattdessen steht die Neuentdeckung und Neuinterpretation des historischen Stadtraums im Mittelpunkt.
2005
2008
Weiterentwickelung des Masterplans
Der Masterplan aus dem Jahr 2005 wird in einer Werkstatt weiterentwickelt. Planerinnen und Planer aus drei Büros entwerfen Ideen und Konzepte für Teilbereiche, die bislang noch keine städtebauliche Lösung aufweisen. Das sind die Parochialgasse, der Jüdenhof und der Platz vor dem Alten Stadthaus. Es geht unter anderem um die Verteilung der Nutzungen, die Freiräume sowie die Höhen und Ausrichtung der Gebäude.
2008
Anti-Kriegsmuseum in der Parochialstraße, 1930
2008
Rückkehr für das Anti-Kriegs-Museum
Im Jahr 1923 gründete der Pazifist Ernst Friedrich ein Museum in der Parochialstraße 29. Es wurde später durch die Nationalsozialisten geplündert und geschlossen. Die Rückkehr an den historischen Standort am Jüdenhof wird durch drei Planungsbüros im Jahr 2008 intensiv untersucht und die Überlegungen hierzu in den Bebauungsplan übernommen. Es wird überprüft, wie der Baukörper für das Museum am Jüdenhof baulich integriert werden kann. Die Entwürfe der Architekten Georg Augustin und Ute Frank sowie von Haberland Architekten bilden eine gute Grundlage für eine zukünftige Realisierung. Die Festsetzungen des Bebauungsplans lassen die Realisierung beider Entwürfe zu.

Foto: Anti-Kriegsmuseum in der Parochialstraße (1930); Copyright: Bundesarchiv, B 145 Bild-P063078 / Fotograf(in): Köhler
2008
090722_MOMA_Masterplan_Ansicht_Stadthausplatz-2a
2009
Bereich vor dem Alten Stadthaus
Über den Bereich vor dem Alten Stadthaus wird intensiv diskutiert. Es wird erneut eine städtebauliche Überarbeitung vorgenommen. Das Planungsbüro Haberland Architekten wird damit beauftragt. Der ausgewählte Entwurf sieht einen begrünten Platz mit hoher Aufenthaltsqualität im Blockinneren vor. Durch die Öffnung des Blocks entstehen Sichtbeziehungen zum Turm des Alten Stadthauses sowie zur Nikolaikirche.
2009
090725_MOMA_Masterplan_Schrägluftbild_3Da
2009
Fertigstellung des Masterplans
Die vorangegangenen Qualifizierungen von einzelnen Bereichen im Quartier werden im fortgeschriebenen Masterplan zusammengefasst. Die neuen Ideen für das Anti-Kriegs-Museum, den Jüdenhof und den Bereich vor dem Alten Stadthaus sind im Plan eingezeichnet. Der überarbeitete Masterplan bildet die Grundlage für den später festgesetzten Bebauungsplan.
2009
Ausschnitt Planwerk Innere Stadt
2010
Planwerk Innere Stadt
Das Planwerk Innere Stadt ist eine räumliche und methodische Weiterentwicklung des Planwerks Innenstadt aus dem Jahr 1999. Das fortgeschriebene Planwerk wird im Jahr 2010 im Berliner Senat beschlossen. Der fortgeschriebene Masterplan für den Molkenmarkt wird in das Planwerk Innere Stadt übernommen.
2010
Bild-B-Plan_kleiner
2016
Festsetzung des Bebauungsplans
Der Bebauungsplan wird im Jahr 2016 im Berliner Abgeordnetenhaus beschlossen und im Gesetz- und Verordnungsblatt veröffentlicht. Der Plan ist die planungsrechtliche Voraussetzung für die Verlegung der Grunerstraße und die Realisierung des neuen Quartiers. Er ist das Ergebnis eines langjährigen und intensiven Planungsprozesses.
2016
ab 2020
Städtebauliches Qualifizierungsverfahren und anschließende Realisierungswettbewerbe für Architektur und Freiraum
ab 2020

MOLKENMARKT VON 1910 - 2029

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MOLKENMARKT VON 1910 - 2029

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