Matthias Grünzig und Jürgen Vogler im Portrait

Aktuell findet für das neue Quartier am Molkenmarkt ein städtebaulich-landschaftsplanerischer Wettbewerb statt. Der Prozess wird auch von zwei Bürgern begleitet. Matthias Grünzig und Jürgen Vogler sind aus rund 50 Bewerbungen gelost worden. Sie erhalten einen besonderen Einblick in den Wettbewerb und werden am Preisgericht teilnehmen. Im Interview schildern sie ihre persönliche Perspektive auf den Molkenmarkt und ihre Ideen für die Zukunft.

 


 

Mattias Grünzig, 52 Jahre alt, wohnt in Berlin-Mitte und engagiert sich neben dem Molkenmarkt auch für das östliche Stadtzentrum.

Warum haben Sie sich beworben?
„Ich wohne seit vielen Jahren in Mitte und bin deshalb an der Entwicklung meines Heimatbezirks interessiert. Ich habe mich deshalb auch an den Partizipationsveranstaltungen der Stadtwerkstatt beteiligt und war von den vielfältigen Mitgestaltungsmöglichkeiten positiv überrascht. Diese positiven Erfahrungen haben mich ermutigt, mich um die Rolle des Bürgervertreters zu bewerben.“

Sind Sie in einer Initiative in der Berliner Mitte aktiv? Was zeichnet diese aus?
„Ich engagiere mich in der Initiative Offene Mitte Berlin. Diese Initiative setzt sich für eine attraktivere Gestaltung der Berliner Mitte ein. Schwerpunkte sind qualitätsvolle öffentliche Räume, die Reduzierung des Autoverkehrs und der respektvolle Umgang mit dem baulichen Erbe aller Epochen.“

Was verbinden Sie persönlich mit dem Molkenmarkt?
„Als Mitte-Bewohner ist mir das Gebiet um den Molkenmarkt seit langem vertraut. Besonders faszinierend ist für mich die heterogene Bebauungsstruktur, die die unterschiedlichen Epochen Berlins widerspiegelt. Das dichte Nebeneinander von mittelalterlicher Stadtmauer, barocken Palais‘ und dem monumentalen Alten Stadthaus erzählt besonders eindrucksvoll vom ständigen Wandel Berlins.“

Was ist Ihnen für den Wettbewerb wichtig?
„Ich sehe hier die große Chance für ein Quartier, das beispielhafte Lösungen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts aufzeigt. Wichtige Themen sind dabei bezahlbare Wohnungen, der Umgang mit dem Klimawandel und die Nutzungsvielfalt. Außerdem wünsche ich mir, dass authentische Geschichtszeugnisse z.B. in Form von archäologischen Fenstern sichtbar gemacht werden.“

 


 

Jürgen Vogler lebt seit 65 Jahren in Berlin-Plänterwald und kennt den Molkenmarkt bereits seit den 1950er Jahren.

Warum haben Sie sich beworben?
„Um einen kleinen Beitrag zu leisten damit Berlin nicht weiter einseitig nach dem Zeitgeist, besonders unter politischen aber auch vorwiegend materiellen Gesichtspunkten, gestaltet wird. Dafür liegen leider ausreichende negative Beispiele vor. Berlin hat eine gute, besonders durch Schinkel geprägte Bautradition, die aber nicht zurück zu den Hinterhöfen und Milieugebieten, egal welcher Couleur, führen darf, sondern eine bürgernahe und ausgewogene harmonische Wohnstadt mit gleichgestellten Lebensformen, Beruf, Handel und Kultur führen muss. Mir ist bewusst das auch durch die Schuld der Elterngenerationen viel der Bausubstanz zerstört und auch nachträglich durch die verschiedenen politischen Strömungen vernichtet und durch Eigeninteressen nicht immer sinnvoll neu gestaltet wurde. Unsere und die folgenden Generationen haben das Glück und stehen aber auch in der Verpflichtung eine bleibende harmonische und zukunftsorientierte Stadt zu gestalten und dabei auch vorhanden Bausubstanz zu akzeptieren und zu integrieren.“

Was verbinden Sie persönlich mit dem Molkenmarkt?
„Mein Berufsleben begann 1953 in der Mitte des zerstörten Berlins, der Heiligengeiststraße 16, von dort aus sind wir oft in Ruinen gegangen und haben nach noch brauchbaren Materialien gesucht. Es war immer wieder erschütternd zu erleben wie doch so harmonisch gestaltete Architekturelemente vernichtet wurden.“

Sind Sie in einer Initiative in der Berliner Mitte aktiv? Was zeichnet diese aus?
„Ich selbst gehöre keiner Interessengruppe oder Initiative an, beteilige mich aber aktiv an Diskussionen wie „Alte Mitte – Neue Liebe“, „Spreepark“ und „Verdichtung der Orionhöfe“ als unabhängiger Bürger.“

Was ist Ihnen für den Wettbewerb wichtig?
„Der zukünftige Molkenmarkt hin bis zur Littenstraße und das Nikolaiviertel können unter bewussten Handeln ein Beispiel für eine akzeptable und ausgeglichene Gestaltung, unter Beachtung der der Berliner Bautradition, werden. Dabei müssen die Bürokratie,  die sehr unterschiedlichen Interessengruppen und Initiativen für zukunftsorientierte Kompromisse bereit sein, da durch die aktuellen demografischen Veränderungen und den erkannten Klimaveränderungen die Rahmenbedingungen neu definiert werden sollten.“

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