Städtebaulicher und
freiraumplanerischer Wettbewerb
Molkenmarkt

Digitale Ausstellung

Der Wettbewerb zum Molkenmarkt ist entschieden: Das Preisgericht hat zwei Entwurfsteams mit dem ersten Preis ausgezeichnet und zur weiteren Bearbeitung empfohlen.

Die Wiederbelebung der historischen Mitte und die Entwicklung des Molkenmarkts zu einem zukunftsorientierten, gemischten und vielfältigen Quartier ist auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung eine Herausforderung.

Seit 2016 gibt es einen gültigen >> Bebauungsplan, der den neuen Verlauf der Grunerstraße und eine geplante Bebauung auf fünf Baublöcken definiert. Es bestehen jedoch für den Standort zahlreiche Zielkonflikte. Aus diesem Grund hat sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen entschieden, eine städtebauliche Qualifizierung, bestehend aus einem offenen Wettbewerb und einem anschließenden Werkstattverfahren durchzuführen um eine gemeinsame Vision für den Molkenmarkt unter den beteiligten Akteurinnen und Akteuren sowie der Stadtgesellschaft zu entwickeln.

Grundlage für die Auslobung des offenen Wettbewerbs waren neben dem bereits erwähnten, rechtskräftigen Bebauungsplan auch die, in der Sondierungsphase 2020/2021 erarbeiteten, acht Leitlinien. Der Fokus im offenen Wettbewerb lag auf städtebaulichen sowie freiraumplanerischen Gesamtkonzepten für das Quartier. Die architektonische Gestaltung einzelner Gebäuden ist nicht Bestandteil des laufenden Verfahrens. Die Konkretisierung erfolgt später im Rahmen weiterer Architekturwettbewerbe.

Mit Abschluss des offenen Wettbewerbs im Dezember 2021 ist nun der erste Meilenstein der städtebaulichen Qualifizierung erreicht: Zwei Planungsbüros haben die Jury mit Ihren Konzepten überzeugt und wurden zur weiteren Vertiefung und Ausarbeitung im Rahmen des bevorstehenden Werkstattverfahrens ausgewählt.

Gerne möchten wir Ihnen mit der hier vorliegenden digitalen Ausstellung die Möglichkeit geben, einen Gesamtüberblick über die eingereichten Entwürfe des offenen Wettbewerbs zu bekommen. Wir laden Sie daher recht herzlich ein: Klicken Sie sich durch die Ausstellung und informieren Sie sich über die unterschiedlichen Ideen und Konzepte der Entwurfsteams sowie die beiden ausgewählten Siegerentwürfe, welche nun weiter vertieft werden.

Die prämierten Entwurfsteams werden ihre Ideen in den kommenden Monaten entsprechend den Empfehlungen des Preisgerichts weiterentwickeln. Im Werkstattverfahren ist eine Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen. So können Sie unter anderem in zwei Werkstattveranstaltungen aktiv am Planungsprozess teilnehmen und mit den Teams deren Konzepte diskutieren.
Eine erste Werkstatt ist am 3. Februar 2022 geplant. Eine zweite Werkstatt folgt Ende April 2022. Weitere Informationen zu einzelnen Veranstaltungen können je nach Verfahrensstand der Website www.molkenmarkt.berlin.de entnommen werden. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen freut sich, Sie bei den Werkstätten begrüßen zu können.

Zeitstrahl Wettbewerb

Januar 2021
April 2021
Mai 2021
18. August 2021
September 2021
Oktober 2021
November 2021
24. November 2021
29.-30. November 2021
Formulierung der Leitlinien
Erstellung der Auslobung
Veröffentlichung der Leitlinien
Bürger:innen-Information
Veröffentlichung der Auslobung
Bearbeitungsphase
Abgabe der Arbeiten
Vorprüfung
Digitale Vorschau der Entwürfe
Preisgericht

Die Werkstätten

Zum Ende des Wettbewerbsverfahrens ist vorgesehen, dass die beiden Erstplatzierten im Dialog mit den Bürger*innen im Rahmen eines Werkstattverfahrens bis zum Sommer 2022 weiter entwickelt und überarbeitet werden.

Die beiden erstplatzierten Planungsteams sollen nach Abschluss des Wettbewerbs in eine Überarbeitungsphase eintreten, in der sie in einer Folge öffentlicher Werkstattveranstaltungen sowie teilöffentlicher Kolloquien und weiterhin begleitet durch die Jury ihre Ideen zu einem umsetzbaren städtebaulichen Gesamtkonzept weiterentwickeln sollen. Dabei sollen sowohl die fachlichen Empfehlung der Jury als auch die Anregungen der Öffentlichkeit Einfluss in den Entwurf finden.

Zum Ende des Werkstattverfahrens im Sommer 2022 soll– nach einer ausführlichen öffentlichen Vorstellung und Diskussion beider Arbeiten –  durch die Jury ein Entwurf durch die Jury ausgewählt werden, der dann als Grundlage für die tatsächliche Umsetzung dienen soll.

Der Wettbewerb sowie das Werkstattverfahren sind ein erster Schritt in der weiteren konzeptionellen Entwicklung des Molkenmarktes. Auf Grundlage der Erkenntnisse mit Abschluss dieser Planungsphase sind im Anschluss projektbezogene Verfahren für die einzelnen Gebäude aber auch für eine weitere Qualifizierung des Freiraumes vorgesehen.

Zeitstrahl Werkstättten

Januar 2022
Februar 2022
März 2022
April 2022
Mai 2022
Mai 2022
Juni 2022
Juli 2022
2022 / 2023
Auftaktkolloquium
Werkstatt 1
Bearbeitungsphase 1
Abgabe 1
Zwischenkolloquium
Werkstatt 2
Bearbeitungsphase 2
Abgabe 2
Vorprüfung
Öffentlichkeitsveranstaltung
Abschlusskolloquium
Ausstellung
Charta Molkenmarkt

Beteiligung in der Werkstattphase

Sie sind herzlich dazu eingeladen, sich in verschiedenen Veranstaltungen über die aktuellen Entwürfe zu informieren und in den Prozess aktiv einzubringen. Es gibt dabei sowohl Kolloquien (Preisgerichtssitzungen) zum Informieren als auch Werkstätten zum Mitreden. Die Kolloquien beginnen jeweils mit einem öffentlichen Teil, in dem die beiden Planungsteams ihre Arbeiten präsentieren und erläutern. Eine konkrete Arbeit an den prämierten Entwürfen erfolgt nicht in den Kolloquien.

  • 20. Januar 2022 – Auftaktkolloquium
  • 14. April 2022 – Zwischenkolloquium

Die Werkstätten stehen Ihnen offen, um sich aktiv in den Entwurfsprozess einzubringen. Die beiden Planungsteams stehen in den mehrstündigen Werkstätten bereit, um die Entwürfe und Ihre Ideen an digitalen Arbeitstischen zu besprechen.

  • 3. Februar 2022 – Werkstatt I
  • 28. April 2022 – Werkstatt II

Der Prozess endet mit einer gemeinsamen Abschlusspräsentation am 6. Juli 2022. Sie haben auch hier die Gelegenheit, Ihre Anregungen und Meinungen zu den Entwürfen zu teilen. Bitte informieren Sie sich über die Veranstaltungen (insbesondere Zeit und Ort) auf www.molkenmarkt.berlin.de. Die genannten Termine sind pandemiebedingt zunächst als digitale Veranstaltungen geplant. Sie sind dazu herzlich eingeladen.

Alle Entwürfe

Modellfotos: Hans-Joachim Wuthenow

Eine Veröffentlichung von Bildmaterial im laufenden Verfahren erfolgt ausschließlich
durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.

Entwurf 1021

Jordi Keller Pellnitz Architekten GbR mit Christina Kautz Landschafts-architektur

Anerkennung

Der Beitrag 1021 bezieht sich stark auf die kleinteilige historische Parzellenstruktur der Berliner Altstadt und versucht, diese für das Quartier am Molkenmarkt wiedererstehen zu lassen. Die Parzellen sollen – standortabhängig – sowohl städtische Reihenhäuser mit einer Breite von 6 Metern (in der Parochialgasse) als auch größere Gebäude mit Breiten bis zu 36 Metern ermöglichen (an der Grunerstraße).

Die Baustruktur entspricht weitgehend den Rahmensetzungen des Bebauungsplans.

Zu den Straßen hin soll die Architektur nach Angaben der Verfasser:innen städtisch und „fest“ erscheinen. Dies betrifft auch den Platz vor dem Stadthaus im Inneren des Baublocks. Zu den Blockinnenbereichen sollen die Remisen und Hinterhäuser in Holz ausgeführt werden. Auf diese Weise sollen „qualitätvolle, begrünte Hofräume“ entstehen, die von einer „feinen weichen Architektur“ gerahmt werden.

Die Verfasser:innen empfehlen zudem, ein Leitbautenkonzept zur Rekonstruktion von Gebäuden von besonderem historischen Interesse erarbeiten zu lassen.

Auch das Wegesystem folgt im Wesentlichen den Festsetzungen des Bebauungsplans, ergänzt diese jedoch durch eine Durchwegung auch des dem Roten Rathaus gegenüberliegenden Blocks.

Entwurf 1022

Eckert Negwer Suselbeek Architekten BDA

Zweiter Rundgang

Die Arbeit mit der Nummer 1022 ist überschrieben mit dem Leitthema „vier Stadthöfe“. Sie folgt eng den Rahmensetzungen des Bebauungsplans für den Molkenmarkt.

So entstehen sowohl für den Block vor dem Alten Stadthaus als auch für den Block am Neuen Stadthaus sowie die Umgebung der Franziskaner Klosterkirche die vorgegebenen öffentlichen Plätze und Durchwegungen. Zusätzlich zu diesen, „Molkenmarktplatz“, „Jüdenhofgärten“ und „Kulturpark Klosterkirche“ genannten Freiräume wird für den dem Roten Rathaus gegenüber liegenden Block wird eine Galleria-artige „Passage der Elektrizitätswerke“ mit Durchgangsmöglichkeiten in alle Richtungen vorgeschlagen.

Für jeden Block wird eine spezifische Ankernutzung vorgeschlagen, die den Charakter des Blocks prägen und durch weitere Nutzungen, vor allem Wohnen und gewerbliche Nutzungen ergänzt werden soll.

Die Dachflächen sollen – abhängig von ihrer Lage und der vorgesehenen Dachneigung – für Photovoltaikanlagen, Dachbegrünungen und begehbare Gemeinschaftsflächen genutzt werden.

Entwurf 1023

Klaus Theo Brenner - Stadtarchitektur mit Coqui Malachowska Coqui Städtebau Landschaftsarchitektur

Zweiter Rundgang

Der Beitrag mit der Nummer 1023 ordnet das Plangebiet unter dem Motto „Stadtpanorama Molkenmarkt“ in den Kontext der historischen Innenstadt ein. Er teilt die Baublöcke in kleinere, „Block im Block“ genannte Einheiten auf und ordnet das Quartier mit einem Freiraumsystem aus Höfen und „Piazette“ genannten Plätzen im Blockinneren. Verbunden werden die Blöcke untereinander und mit der Umgebung durch ein Netz von Wegen und Quartiersstraßen. Es entsteht so eine sich über alle Baublöcke ersteckende, einheitliche Gestaltung.

Lediglich der wieder entstehende Jüdenhof und der Platz am Standort der ehemaligen französischen Kirche weichen von dieser Struktur ab und bilden auf diese Weise eine markante Wegeführung durch den Block am Neuen Stadthaus.

Die „einzelnen Baumsetzungen“ im als „Stadtgassen“ bezeichneten Straßenraum wird mit dem Bezug auf die mittelalterliche steinerne Stadt begründet. Im Gegensatz dazu sollen die Dachflächen weitgehend begrünt werden und so der Speicherung von Regenwasser sowie der „kulturellen und freizeitlichen Gartennutzung“ dienen.

Entwurf 1024

Bernd Albers Gesellschaft von Architekten mbH mit Prof. Dr. Silvia Malcovati und Vogt Landschaftsarchitekten AG

Ein Erster Preis

Die Verfasser:innen nennen als Grundgedanken der Arbeit 1024 die „Neuinterpretation des historischen Stadtgrundrisses und seiner verschiedenen stadtplanerischen Wandlungsprozesse“. Den Blockgrenzen des Bebauungsplans folgend wird eine kleinteilige, eng an die historische Situation vor dem Abriss bzw. den Kriegszerstörungen angelehnte Parzellierung der Blöcke vorgeschlagen. Die Bebauung der Blöcke soll weitgehend als moderne Interpretation klassischer Berliner Typologien umgesetzt werden. Die an den Jüdenhof angrenzenden Bauten sollen dagegen in einem „Spektrum von Neuinterpretation bis Fassadenrekonstruktion der historischen Vorgängerbauten“ neu entstehen.

Die ehemalige Französische Kirche wird als Bodendenkmal sowie als Innenhof in den Abmessungen des Kirchenschiffs erlebbar. Entsprechend dem Bebauungsplan ist dieser grüne Innenhof ein Teil der Blockdurchwegung, die auch den Jüdenhof anbindet.

Anders als die kleinteilige Bebauung sollen die Hofflächen teils gemeinschaftlich durch die Anwohner:innen genutzt und teils im Rahmen der Blockdurchgänge der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Die Nutzung entspricht weitgehend den Vorgaben des Bebauungsplans mit öffentlich wirksamen Nutzungen im Erdgeschoss und Wohn- und Gewerbeflächen in den Obergeschossen. An den privaten Wohnhöfen werden zudem einzelne Wohnungen auch im Erdgeschoss vorgeschlagen.

Die Dachflächen der Gebäude werden extensiv begrünt und können zur Speicherung von Regenwasser genutzt werden.

Entwurf 1025

Tafkaoo architects GmbH mit YEWO Landscapes GmbH

Zweiter Rundgang

Die Verfasser:innen der Arbeit 1025 verfolgen das Ziel, ein „zusammenhängendes, integratives und kommunizierendes sowie für viele Nutzerschichten gleichermaßen erleb- und erfahrbares, offenes Quartier“ zu schaffen.

Die Ränder des Quartiers werden hierzu durch Gebäuderiegel gefasst und formen hierdurch „einen Rahmen um das künftige Viertel“. „Zur Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls, der Identitätsbildung sowie der Entwicklung des Quartierscharakters wird die im Bebauungsplan vorgeschlagene Blockrandstruktur durch eine im Inneren des Viertels offene, kommunikative Punkthausbebauung ersetzt“. Bei der Positionierung dieser Bauten wird den Blickbeziehungen über Begegnungszonen oder niedrigere Gebäude hinweg eine besondere Bedeutung zugewiesen. Zur Grunerstraße dient ein als “Grünes Stadtregal” benanntes Gerüst vor den Gebäuden als Rahmen für die Installation von Balkonen, Lärmschutzmaßnahmen oder Pflanzmöglichkeiten.

Die Erdgeschosszone wird durch gewerbliche Nutzungen, ergänzt durch Kultur und soziale Infrastruktur, besetzt. Archäologische Funde sollen so erreichbar und erhalten werden.

Der sich durch das gesamte Quartier ersteckende Freiraum ist gegliedert durch seine Höhenentwicklung. Während die Flächen am Boden öffentlich vorgesehen sind, soll das Dach eines großflächigen Sockelgeschosses im Westen eher einen privaten Charakter erhalten. So sollen unter anderem die Freiräume der Wohngebäude und der Kita hier untergebracht werden. Auch die sonstigen Dachflächen sind in dieses Freiraumkonzept eingebunden.

Entwurf 1026

Octagon Architekturkollektiv mit coopdisco und Gruppe F I Freiraum für alle GmbH

Anerkennung

Als Grundgerüst des Entwurfs 1026 dienen zum einen die dem Bebauungsplan entlehnten Baufelder, zum anderen ein „Freiraumband“, das die wichtigsten Kulturstandorte und Denkmale im Quartier miteinander vernetzt und als Teil einer übergeordneten Verbindung auch Standorte außerhalb des Quartiers anbindet.

Den Auftakt dieses Bandes bildet ein neu interpetierter „Molkenmarkt“, der sich sowohl als Stadtplatz an der Einmündung der Stralauer Straße als auch als Hof- und Erdgeschossnutzung im angrenzenden Baublock zeigt. Es wird fortgesetzt durch eine differenzierte Abfolge öffentlicher Räume, die unter anderem auch den Jüdenhof und den ehemaligen Standort der Französischen Kirche integriert. Ein Ende findet das Freiraumband am Freiraum der Ruine der Franziskaner Klosterkirche.

Die Bebauung ist geprägt durch eine weitgehend geschlossene Gebäudereihe entlang der Grunerstraße, dem Mühlendamm und der Stralauer Straße sowie eine aufgelockerte Bebauung entlang des Freiraumbandes im Quartiersinneren. Verbunden sind beide Elemente mittels durchgehender Sockelbauten, die einen Großteil der öffentlich zugänglichen Nutzungen aufnehmen.

Die Freiraumstruktur nutzt das Dach der Sockelbauten zur Trennung der öffentlichen Flächen auf der Erdgeschossebene von den eher privaten Freiräumen auf den Dachflächen. Die Dachflächen sollen begrünt und neben der Nutzung durch die Anwohner:innen auch der Speicherung von Regenwasser und der Unterbringung von Solaranlagen dienen.

Entwurf 1028

Superwien Urbanism ZT GmbH mit Raum + Strategie

Dritter Preis

Als „innovatives Quartier“ bezeichnen die Verfasser:innen ihren Beitrag mit der Nummer 1028.

Die Blockformen des Bebauungsplans übernehmend, schlagen sie eine in der Höhe differenzierte Bebauung vor, die im Blockinneren eine Vielzahl unterschiedlicher Freiraumnutzungen und –gestaltungen ermöglicht. Die Dachlandschaft ist vielfältig gestaltet und übernimmt unterschiedliche Freiraumfunktionen wie zum Beispiel Freizeit- und Erholungsflächen, Regenwasserspeicherung, Lebensmittelanbau oder Energieerzeugung durch Solar- und Windenergieanlagen.

In den Erdgeschossen sind ausschließlich öffentlich zugängliche Nutzungen wie Handel, Gastronomie oder Kultureinrichtungen vorgesehen. Darüber folgen Büros und ähnliche Nutzungen, darüber wiederum Wohnungen.

Das gesamte Quartier ist autofrei geplant, nur Rettungsfahrzeuge und Lieferverkehr sollen zugelassen werden. Neben den Straßen dient ein Weg durch den Block am Neuen Stadthaus der Anbindung des Jüdenhofs und der Grünfläche am ehemaligen Standort der Französischen Kirche sowie der Durchwegung des Quartiers.

Besonderen Wert legen die Verfasser:innen auf die Empfehlung, die Vermietung vor allem der Erdgeschosse gemeinsam zu organisieren, um eine vielfältige Nutzungsmischung zu gewährleisten.

Entwurf 1029

Mäckler Architekten GmbH mit USUS Landschaftsarchitektur AG

Zweiter Preis

Der Entwurf 1029 orientiert sich stark an Bezügen zur historischen Gestaltung sowohl der Bebauung als auch der Freiräume.

Die kleinteilige Bebauung folgt weitgehend den Vorgaben aus dem Bebauungsplan. Es entsteht so eine klassische Berliner Blockstruktur mit klaren Kanten zur Straße und einer dichten Folge von Hinterhäusern und Höfen. An der Parochialgasse wird in Anlehnung an die mittelalterliche Bebauung die Errichtung von giebelständigen kleinteiligen Stadthäusern vorgeschlagen.

Vor dem Alten Stadthaus entsteht ein „steinerner Stadtplatz“, auf eine Durchwegung und eine öffentliche Hofgestaltung der Baublöcke westlich der Jüdenstraße wird verzichtet. Am Standort der ehemaligen französischen Kirche entsteht ein begrünter Wohn- und Quartiersplatz, dessen Fassaden das Volumen der Kirche – sozusagen als Negativform – aufnimmt. Durch einen Fußweg zwischen Kloster- und Jüdenstraße wird dieser Hof mit dem Jüdenhof verbunden.

Für den Straßenzug Mühlendamm/Spandauer Straße wird eine langfristige Umgestaltung mit einer breiten begrünten Boulevardzone vorgeschlagen, die sowohl der Aufenthaltsqualität als auch ökologischen Funktionen dienen soll.

Entwurf 1030

OS arkitekter mit cka czyborra klingbeil architekturwerkstatt mbB

Ein Erster Preis

Der Beitrag 1030 steht unter dem Motto „Molkenmarkt im Wandel“. Während er nach außen die geschlossenen Blöcke des Bebauungsplans für den Molkenmarkt übernimmt, zeigt das Innere der Blöcke eine vielfältige und differenzierte Bebauung, die nach den Vorstellungen der Verfasser:innen als einfache Skelettstruktur in Holzbauweise errichtet werden soll. Innerhalb dieser Grundstruktur sollen die Grundrisse weitgehend frei gestaltbar sein und so auch langfristig sich ändernden Anforderungen gerecht werden können.

Die Höfe zweier Blöcke sollen durch einen „Kulturpfad“ genannten Fußweg durchquert werden, der die Ruine der Franziskaner Klosterkirche mit dem Kulturstandort an der Alten Münze verbindet. An diesem Pfad sollen die archäologischen Funde der Französischen Kirche und des Jüdenhofs erfahrbar werden und mit den Angeboten eines neu geschaffenen „Kulturhofs“ in dem Baublock vor dem Alten Stadthaus verbunden werden.

Die Gestaltung der öffentlichen Straßen und Plätze soll ausdrücklich den Vorrang für zu Fuß Gehende und Radfahrende berücksichtigen und enthält neben Baumpflanzungen und weiteren Grünflächen, etwa zur Versickerung von Regenwasser, auch Aufenthaltsflächen und Sitzgelegenheiten.

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Fragen und Antworten

Der Bebauungsplan schafft den rechtlichen Rahmen für ein neues Quartier, dass sich am historischen Stadtgrundriss orientiert. Konkrete Aussagen zur Anzahl der Gebäude oder zur Fassadengestaltung enthält der Bebauungsplan jedoch nicht. Die zukünftigen Grundstücke werden in das Eigentum der jeweiligen Wohnungsbaugesellschaft übergehen.

Die Kleinteiligkeit der baulichen und nutzungsbezogenen Struktur stellt eine der wesentlichen Planungsvorgaben dar. Entsprechend wurde den Entwurfsteams im Wettbewerb die Aufgabe gestellt, einen Vorschlag für die Parzellierung der Grundstücke zu erarbeiten. Auf dieser Basis finden anschließend öffentliche Werkstätten und Hochbauwettbewerbe statt.

Die Aufgabenstellung zum städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerb schließt Leitbauten ausdrücklich nicht aus. Die teilnehmenden Teams entscheiden, inwieweit sie Leitbauten oder andere prägende Gebäude in den Entwürfen berücksichtigen. Das Preisgericht wird dann die Entwürfe, im Zusammenhang mit den anderen Wettbewerbsaufgaben, intensiv diskutieren.

Das Ziel, ein lebendiges und baukulturell hochwertiges Stadtquartier mit den Vorgaben der Herstellung von bezahlbarem Wohnraum für unterschiedliche Nutzer:innen und Gewerberaum für Kulturschaffende herzustellen, kann nur durch zusätzliche Finanzierungen erreicht werden.

Die grundsätzlichen Entscheidungen zu den zukünftigen Finanzierungs- und Förderbedingungen sollen in 2022 vom Abgeordnetenhaus auf der Grundlage der Ergebnisse der laufenden städtebaulichen Qualifizierung getroffen werden.

Im offenen Wettbewerb wird der Freiraum und Städtebau für das gesamte Quartier auf Basis des Bebauungsplans konkretisiert. Die Gestaltung der Fassaden ist nicht Teil der Aufgabenstellung. Die Klärung erfolgt später im Rahmen der sich anschließenden Architekturwettbewerbe für die einzelnen Gebäude.

Bereits heute befinden sich Grundstücke in Privat-, Bundes- und Landeseigentum. Die neue Berliner Liegenschaftspolitik ist gemeinwohlorientiert. Deshalb werden die neuen Grundstücke nach dem Straßenumbau in zwei landeseigene Wohnungsbaugesellschaften eingebracht. Diese setzen die wohnungspolitischen Ziele des Landes Berlin vollständig um. Damit wird die berlinspezifische, vielfältige Urbanität im Quartier am Molkenmarkt langfristig gesichert.

Weitere Fragen und Antworten zur Planung am Molkenmarkt finden Sie unter >>Planung